Mexiko - Erinnerungen vergehen nie!
- Soy

- 8. Juni 2020
- 6 Min. Lesezeit
Introducción
Eingeklemmt zwischen den nord- und südamerikanischen Kontinenten befinden sich los Estados Unidos Mexicanos, die Vereinigten Mexikanischen Staaten. Das Schwellenland Mexiko zieht mit seinen wunderschönen pazifischen, wie auch karibischen Standstrände und den Überresten der indigenen Hochkulturen jährlich mehrere Millionen Touristen an. Der Touristenhotspot gehört jedoch gleichzeitig auch zu einem der gefährlichsten Länder der Welt. In den Strassen Mexikos regieren die Drogenkartelle und Schießereien in Hinterhöfen sind Teil des mexikanischen Alltags.

Mit sechzehn Jahren, nach einem Jahr Spanischunterricht, machte ich mich auf den Weg nach Cuernavaca. Cuernavaca ist lediglich eine knappe zwei stündige Autofahrt entfernt von Mexiko City, der Hauptstadt Mexikos. Während drei Monate lebte ich bei einer mir zuvor fremden Familie und besuchte dort das Colegio Suizo, die Partnerschule meines ehemaligen Gymnasiums. Nervosität und Aufregung machte sich vor allem bei meinen Eltern und Verwandten kurz vor meiner Abreise bemerkbar. Leider hört und liest man neben den spärlichen Touristenattraktionen vorwiegend von der Gewalt in Mexiko und wie gefährlich das Land sei, insbesondere für junge Frauen.Ich dagegen bekam davon nicht soviel mit. Die Tatsache, dass mir ein dreimonatiger Schüleraustausch im fernen Mexiko bevorstand, kam mir bis zum Tag der Abreise völlig surreal vor. Dann war es so weit. Der Wecker klingelte, ich stand auf, wusch mir das Gesicht, putzte die Zähne und schnappte meine Koffer. Alles ging rasend schnell und schon saß ich im Flugzeug. Erst in diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich nun tatsächlich für drei Monate am anderen Ende der Welt leben werde. Dann hob das Flugzeug auch schon ab und es hieß „adiós Suiza y hola México“ (Auf Wiedersehen Schweiz und hallo Mexiko).
Während meiner Zeit in Mexiko schrieb ich bereits einen Blog für ein Online Magazin.
Die folgenden Texte sind Auszüge und gekürzte, leicht abgeänderte Versionen meiner alten Blogartikel. Viel Spaß y „besitos“ (Küsschen)!
Teil 1
Al otro lado del mundo – Auf der anderen Seite der Welt
Herzliches Lachen, Umarmungen, ein Küsschen auf die Wange und ein grosser Luftballon geziert mit der Anschrift „bienvenida“ (Willkommen). Schnell lernte ich, dass die Mexikaner ein leidenschaftliches Volk sind. Ob alt oder jung, hier wird jeder und jede mit einem leidenschaftlichen Schmatzer und einer herzlichen Umarmung begrüsst. Zu Beginn mag dies vielleicht überraschend und ungewohnt sein, aber daran kann man sich schnell gewöhnen.

Una fiesta mexicana - Ein mexikanisches Fest
Kaum angekommen, befand ich mich auch schon auf meinem ersten „fiesta mexicana“ (mexikanischen Fest). Mit kurzen, blonden Haaren, heller Haut und stahlblauen fiel ich natürlich auf und es war mir von Weitem anzusehen, dass ich nicht aus Mexiko komme.
Viel Zeit mir Sorgen zu machen hatte ich nicht. Auf dem Fest angekommen rief eine Freundin meines Gastbruders schon „¡Suiza, viene!“ („Schweizerin, komm!“), nahm mich an der Hand, die Sorgen verflogen und ab dann genoss ich es einfach. Tanzen, laut lachen und neue Freundschaften schließen, einen besseren Start in Mexiko hätte ich mir nicht vorstellen können.

Teil 2
Mit Fischen schwimmen und sich nach der Sonne richten
Nach dem Feiern blieb mir keine Zeit zum Ausschlafen. Am nächsten Tag um vier Uhr morgens klingelte mein Wecker. Mit Kopfschmerzen, leichtem Schwindel und noch müde von der vergangenen Nacht packte ich schnell meinen Koffer und machte mich erneut auf den Weg zum Flughafen, der Sonne entgegen. Mich erwarteten fünf Tage in Cancún am karibischen Ozean.

Sonne, Sommer und Sonnenschein bekamen wir schon bald zu spüren. Aus dem Flugzeug ausgestiegen, schlug uns auch schon die Hitze entgegen und uns liefen die Schweißtropfen übers Gesicht. So machten wir uns nach unserer Ankunft auf direktem Weg „a la playa“ (zum Strand). Endlich konnte ich mich entspannen und genüsslich in der karibischen Sonne liegen.
Doch das Angebot der Hotelanlage und der umliegenden Vergnügungs- und Abenteuerparks war zu verlockend, um ihnen wiederstehen zu können. Ob eine abenteuerliche Zipline-Fahrt über die Riviera Maya, durch unterirdische Flüsse treiben oder in der Karibik schnorcheln, gar tauchen, uns blieb nichts erspart. Mein persönliches Highlight war die Tauchexkursion im karibischen Ozean. Schon lange hegte ich den Wunsch zu mit den Fischen zu Tauchen, dann war es soweit.
«Taucherbrille aufsetzten, gut anziehen und falls Wasser eintreten sollte, den Kopf nach hinten legen und einmal tief ein- und ausatmen. So wird es die Brille anheben und das Wasser kann entweichen. »
In etwa so hörte sich die Instruktion an – selbstverständlich alles „en español“.
Meine Nervosität stieg, doch mir blieb keine Zeit. Schon hiess es Brille aufsetzen, Atemregler in den Mund und ab ins Wasser. Einmal abgetaucht, konnte ich förmlich spüren, wie das Adrenalin durch meine Adern floss und mein Herz begann schneller zu schlagen. Leichte Panik kam in mir auf und in der Angst, ich könnte nicht genügend Luft bekommen, verschnellerte sich mein Atem zunehmen. Die ersten Atemzüge unter Wasser sind bekanntlich die schwierigsten. Doch mit jeder weiteren Ein- und Ausatmung beruhigt sich der Körper allmählich und beginnt sich an die langsamen und schweren Atemzüge zu gewöhnen. Spätestens als wir den Meeresgrund erreicht hatten und die ersten Fische an uns vorbei schwammen, verlangsamte sich mein Herzschlag und alle Sorgen glitten dahin.
Zuerst war es ein Fisch, dann zwei, drei und es wurden immer mehr, bis es am Schluss ein ganzer Fischschwarm war. Eine sanfte Berührung am Bein, etwas kitzelte mich am Fuß und ein Kribbeln durchfuhr meinen Körper. Ich streckte meine Hand aus, blitzschnell zischten die Fische davon und ich schwamm, dem Schwarm hinterher, weiter.

Im selben Sommer brachte Miley Cyrus eine neue Single raus – Malibu.
In der zweiten Strophe singt sie:
„That`s when I make a wish, to swim away with the fish.“
Immer wenn ich dieses Lied höre, erinnert es mich an meine Reise nach Cancún, an meine Zeit in Mexiko und dann schwimme ich in Gedanken mit den Fischen davon.
Teil 3
Bienvenido al Colegio Suizo
Zurück in Cuernavaca nahte schon bald der erste Schultag am Colegio Suizo in México.
Zur Begrüssungsrede des Direktors versammelten sich alle SchülerInnen vom Kindergarten bis zum letzten Jahr am Gymnasium auf dem Pausenhof. Etwas mehr als 300 Augen richteten sich auf die drei AustauschülerInnen der Schweiz, als sie der Direktor herzliche willkommen hiess. Eine davon war ich.

Schwitzen, Gruseln und jede Menge Spass
Nach der Aufregung bei der Begrüssung, schwärmten alle in ihre Klassenzimmer und der Unterricht konnte starten. Zurück im Klassenzimmer schwellte die anfängliche Nervosität langsam ab. Die Mehrheit meiner Klassenkameradinnen kannte ich von meinem ersten „fiesta mexicana“ und nur wenige fremde Gesichter befanden sich unter ihnen.
Neben der Schule konnte ich dank meiner Gastmutter einem öffentlichen Volleyball Club von Cuernavaca beitreten. Dies schätzte ich sehr, da ich so weitere MexikanerInnen meines Alters kennenlernen konnte, aus einem völlig anderen Umfeld und aus einer unterschiedlichen Gesellschaftsschicht.

Wenn ich nicht Volleyball spielte, war ich mit meinen mexikanischen Freunden unterwegs. Eine grosse Leidenschaft der Mexikaner sind die Kinos, insbesondere wenn es sich um „películas de terror“ (Horrorfilme) handelt. Hatte ich zuvor jemals einen Horrorfilm gesehen, geschweige denn daran gedacht? Nein. In Mexiko angekommen, hatte ich dann keine Wahl und ich lernte schnell über meinen Schatten zu springen. So kam es, dass ich mich gleich zweimal durch den Film Annabell 2 schlagen musste. Bald darauf kam zudem der erste Teil des Bestseller ES von Stephen King in die Kinos, was wir uns selbstverständlich auch nicht entgehen lassen konnten. Seit meinem Aufenthalt in Mexiko bin ich also abgehärtet und habe mich zu einem waschechter Krack in punkto Gruselfilme entwickelt.

Teil 3
El grito – der mexikanische Unabhängigkeitstag
Es regnete in Strömen, insgesamt drei Hurrikane wurden in der Nähe Mexikos gemeldet und weitere Wirbelstürme wüteten im Landesinnern. In den letzten Wochen meines Aufenthaltes spielte das Wetter verrückt.
Ein Lichtblick war der „día de la independencía“ (Unabhängigkeitstag) von Mexiko.
So begann eine meiner letzten Schulwochen in Mexiko mit einem riesigen Fest. Der Unterricht wurde unterbrochen und die Primarstufe fassten in einem kleinen Theater den mexikanischen Unabhängigkeitskrieg gegen die Kolonialmacht Spanien zusammen. Abschliessend ertönte der berühmte Schrei, „el grito“ und das allseits bekannte
„Viva Méxiko“ (es lebe Mexiko).
«Wir konnten nur warten, bis alles vorbei war. » So erlebte ich die Erdbeben in Mexiko
Nach den Feierlichkeiten und unzählige „Quesadillas“, „Enchiladas“ und „Tacos“ später, kehrte vorerst der Alltag zurück. Am Dienstag in der Deutschlektion zitterte dann plötzlich der Boden. Anfänglich war nur ein leichtes Vibrieren zu spüren, das allmählich stärker wurde und zu einem Schütteln und Wanken anstieg. Die Erde bebte. Als wir dies realisierten standen alle im Handumdrehen auf und flüchteten aus dem Schulzimmer hinaus. Viel konnten wir jedoch nicht machen, da wir uns im dritten Stock befanden und es unmöglich war die wankenden Treppen hinunter zu gehen. Wir verteilten uns also unter den Türrahmen, um dort Schutz zu suchen. Dann konnten wir nur noch abwarten, bis alles vorbei war. Nach dem Schreck, als das Erdbeben vorbei war, versammelten sich alle auf dem Sportplatz der Schule. Weinende Gesichter, nervöse Anrufe, fragende Blicke, die wissen wollten wie es ihren Familien wohl geht. Die Anspannung und die Angst waren deutlich zu spüren. Verletzt wurde an unserer Schule zum Glück niemand. Auf Grund der Schäden wurden wir jedoch für den restlichen Tag entlassen und wie sich später herausstellte auch für die übrige Woche. Die nächsten Tage verbrachte ich gemeinsam mit meinen SchulkameradInnen damit, dem Roten Kreuz zu helfen Essen und Kleidungsstücke für Bedürftige einzupacken, Sandwiches zu streichen und mi der Schule Lebensmittel in den beschädigten Dörfern zu verteilen.

Meine letzte Schulwoche hatte ich mir anders vorgestellt.
Trotzdem konnte ich viele wertvolle Erfahrungen sammeln und mein Aufenthalt mit gutem Gefühl und noch besseren Erinnerungen abschliessen.
PS:
Ein „fiesta mexicana“, mit viel „Tequila“ und „bailando“ (wie es sich gehört), konnte zum Abschied selbstverständlich trotz der ganzen Aufregung nicht fehlen. ;)
Wenn euch dieser artikel über meine aufregende Zeit in Mexiko gefallen hat, schaut doch auf meinem ehemaligen Blog vorbei. Dort habe ich nebst meinen Erinnerungen zudem meine liebsten mexikanischen Spezialitäten aufgelistet inklusive Rezepten. Ausserdem ist sogar ein kurzer Spanisch Crash Kurs Spanisch zu finden.
Que disfruten y hasta luego
Besitos Soy




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