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En route en france - part 2

  • Autorenbild: Soy
    Soy
  • 7. Sept. 2020
  • 10 Min. Lesezeit

Ein Monat später und ich genoss erneut den Strand, die warme Sonne und die ungestümen Wellen von Südwestfrankreichs. Gemeinsam mit einer ehemaligen Klassenkameradin, reisten wir nach Moliets et Maa. Dort erwartete uns eine Woche am Strand eine zur Erholung und noch eine in einem Surfcamp.



Montag, 17. August, der Wecker klingelte früh morgens und unsere Reise begann.

Da wir uns entschieden hatten mit dem Zug und Bus zu reisen, stand uns vorerst eine etwas lange, jedoch ganz entspannte Zugreise nach Bayonne bevor.

Ohne grosse Zwischenfälle kamen wird dann am selben Abend in Bayonne an und suchten uns ein Hotel, gleich neben dem Bahnhof. Nach einer langen Zugreise, läuteten wir unsere Ferien mit einer Flasche Wein am Ufer des Flusses Nive in Bayonne ein. Ein perfekter Einstieg in unseren Urlaub.


Nach der ersten Falsche Weisswein, waren wir gut gestimmt und nach der zweiten Flasche tanzte wir bereits ausgelassen zwar nicht zu französischer Musik, dafür zu lateinamerikanischer. Da wir das Abendessen völlig vergessen hatten und direkt zum Wein übergestiegen sind, knurrte uns schon bald der Magen. Weil wir uns in Bayonne noch nicht wirklich auskannten, dachten wir, dass wir am besten einen MC Donalds suchen. Also gaben wir den guten alten MC Donalds auf Google Maps ein und klickten auf Suchen. Mittlerweilen gibt es die Fastfoodkette mit dem grossen, in gelb leuchtenden „M“ gewiss überall, auch in Bayonne. Das Ergebnis sagte, dass wir in gut 35 Minuten dort sein sollten. Bei uns zu Hause ist der Mc Donalds normalerweise locker bis um ein Uhr in der Nacht geöffnet, so dachten wir uns nichts weiter und machten uns auf den Weg. Wir schlenderten durch die Strassen von Bayonne, weg vom Fluss Nive, bis wir zum zweiten Fluss in Bayonne, dem Adour, gelangten. Über eine dunkle Brücke überquerten wir den Adour und dann ging unsere Reise weiter. Etwas verloren wanderten wir durch ein Industriegebiet, einer Autostrasse entlang, bis wir endlich eine Autoraststätte erreichten, wo von weitem das Leuchten des gelben „M“ zu sehen war. Voller Vorfreude verschnellerten sich unsere Schritte. Inzwischen hatte sich der lange Tag bemerkbar gemacht und wir waren todmüde und hungrig. Kurz vor uns sahen wir noch einen Typen mit einem Trinkbecher herauskommen und wir wollten schon erleichtert aufatmen. Als wir dann aber den Mc Donalds betraten, wurde uns unsere Vorfreude schon bald dem Erdboden gleichgemacht.

Die Mitarbeiter waren schon am Putzen und als wir hoffnungsvoll nachfragten, erfuhren wir, dass sie nur bis Mitternacht geöffnet haben. Ein Blick auf die Uhr verriet uns, dass wir zu spät gekommen sind. Es war zehn nach zwölf und wir hatten unser Abendessen um zehn Minuten verpasst. So verliessen wir mit gesenktem Kopf und leerem Bauch den Mc Donalds und mussten weitere 35 Minuten Heimweg auf uns nehmen. Eine dreiviertelstunde später kamen wir erschöpft im Hotelzimmer an und schliefen auf der Stelle ein. Gut so, am nächsten Tag sollte schliesslich unsere Reise weitergehen. Um halb elf erwachten wir vom Klingen des Weckers. Danach standen wir auf, packten unsere Sachen, verliessen das Hotelzimmer, schnappten draussen kurz frische Luft und dann ging es ab ins nächste Café.

Nachdem wir uns mit einem Kaffee gestärkt hatten, machten wir uns auf, um unseren Bus nach Moliets et Maa zu suchen. Leider ohne Erfolg und wir mussten beim Schalter nachfragen. Die Angestellten wussten jedoch auch nicht weiter, kannten nicht einmal den Ort Moliets et Maa und wiesen uns schliesslich mit dem Vorwand ab, dass sie hier nur Zugtickets verkaufen würden. Niedergeschlagen traten wir aus dem Bahnhof und starrten erneut die Anzeigetafel an, in der Hoffnung einen Hinweis zu finden. Zwar war unser Bus durchaus aufgelistet, jedoch nicht wo er ankommen würde und im Umkreis war auch nirgends eine Haltestelle für Reisebusse zu sehen. Nervös gingen wir ab und ab, fragten einige Passanten um Rat, löcherten die Anzeigetafel mit unseren Blicken, leider ohne Erfolg. Die Anspannung stieg, als um 12:10 immer noch kein Bus in Sicht war. Genervt und übermüdet hatten wir im Stress vorerst unser halber Proviant leergegessen und mussten uns mit dem Gedanken abfinden, dass wir wohl oder übel eine andere Transportmöglichkeit suchen müssen. Als uns etwas beruhigt und wieder gesammelt hatten, überprüfte ich nochmals die Verbindung. Wir hatten Glück und es gab tatsächlich noch eine andere Möglichkeit nach Moliets et Maa zu gelangen. Nur vierzig Minuten später fuhren wir mit dem Zug nach St. Vincent de Tryosse, stiegen dort in einen Bus nach Soustons Isle Verte und erwischten dort endlich einen Bus nach Moliets et Maa.

Im Zug angekommen, verlief dann alles reibungslos, bis wir am späteren Nachmittag endlich das kleinen Dorf Moliets et Maa erreicht hatten. Nun fragte sich nur noch, wie wir vom Dorf an den Strand gelangten, wo unser Outdoor sein sollte und es blieb uns nichts Anderes übrig als uns zu Fuss auf den Weg zu machen. So marschierten wir mitsamt Koffer und Rucksack los, folgten eine halbe Stunde einer Autostrasse, bevor wir die Strandpromenade erreichten. Gefühlt nach einer halben Ewigkeit waren wir letzten Endes vorne am Strand angekommen. Entlang der Promenade waren alle Campingplätze und Hotels aufgereiht. Unser Outdoor Hostel sollte also einfach zu finden sein, dachten wir zumindest. Doch wiedereinmal machte sich Murphys Gesetzt erkenntlich,

wenn etwas schiefgehen kann, dann wir es auch schiefgehen.

Wir gingen die Strandpromenade auf und wieder runter, doch unser Hostel war nirgends aufzufinden. Als wir verzweifelt und verschwitzt mit unserem Gepäck in der prallen Sonne standen, wurde meine Kollegin zu allem Übel auch noch von einer Wespe gestochen, inzwischen waren es über 35 Grand warm und wir konnten nicht mehr. Mit letzter Kraft schleppten wir uns zu der Rezeption des ersten Campingplatzes Eingangs der Strandpromenade. Später stellte sich dann heraus, dass sich unser Outdoor Surfhostel auf demselben Camping, auf dem hintersten Platz befand. Nach dem ganzen Stress stellten wir unser Gepäck ab und beruhigten uns am Strand mit einem starken Kaffee und der warmen Sonne im Gesicht. Am Abend kehrten wir mit einem leichten Sonnenbrand und voller Sand zu unserem Outdoor Hostel zurück. Sehnsüchtig packten wir unsere Toilettenartikel und machten uns auf den Weg zu den Duschkabinen. Dort angekommen standen wir enttäuscht vor dreckigen Duschen, voller Sand und mit eiskaltem Wasser und unsere Laune fiel wieder in den Keller. Nach dem Schreck hatten wir in den kommenden Tagen etwas Zeit, um uns zu beruhigen, am Strand zu entspannen und die Sonne und den Atlantik zu geniessen. Das Wetter war fantastisch, beinahe zu warm und verbrachten die Tage mit Sonnenbaden und in die Wellen springend.



Am Freitag haben wir noch einen Shoppingausflug in Dax geplant. Wir hatten im Internet gelesen, dass es dort angeblich eine Shoppingmall gibt. In Dax angekommen, befürchteten wir, dass sich unser Ausflug als ein weiterer Reinfall entpuppen würde. Vorerst sah es nämlich aus, dass Dax nebst dem Bahnhof, einem Kaffee und kleinen Supermärkten nicht viel mehr zu bieten habe. Doch aufgeben kam für uns nicht in Frage. Also marschierten wir los in Richtung der Shoppingmal. Nach zehn Minuten war immer noch kein Einkaufszentrum in Sicht und wir wurden langsam unruhig. Gerade wollten wir die Hoffnung aufgeben, als vor plötzlich Lagerhallen und grosse Gebäude sichtbar wurden. Wir hatten tatsächlich das Einkaufszentrum gefunden. Erst beim Eintreten in die Mall realisierten wir, wie gross sie wirklich war. Sogar ein Springbrunnen plätscherte in der Eingangshalle und mit geöffnetem Mund sahen wir uns staunend um. Die Stimmung stieg schlagartig und wir verbrachten den Tag mit Einkaufen. Mit einigen Taschen mehr an der Hand kehrten wir am Abend glücklich und zufrieden zurück nach Moliets et Maa. In der Euphorie war uns beinahe entgangen, dass wir das letzte Stück bis zur Strandpromenade zu Fuss gehen müssen. Zu allem Übel fing es auch noch an zu regnen. So erreichten wir unterkühlt und nass bis auf die Knochen unser Ziel. Als erstes setzten wir uns geradewegs in unser Stammcafé und gönnten uns zum Ende des Tages eine Portion Moules et Frites.

Am nächsten Morgen war es bereits Zeit, unsere Sachen zusammenzupacken und das Outdoor Surfhostel zu verlassen. Das Surfcamp erwartete uns.

Das Camp befand sich auf demselben Campingplatz, nur einige Meter weiter vorne.

Da wir etwas zu früh angekommen waren, mussten wir im Aufenthaltsbereich im Freien an einem Tisch warten. Als Zeitvertreib spielten wir UNO und beobachteten den Trubel. Die Abreisenden waren mit Packen und Sandwich streichen beschäftigt und ihre müden Augen und das Schmunzeln im Gesicht wies darauf hin, dass sie wohl eine lange Nacht hinter sich hatten.

Danach folgten einige Infos der Campleiter und es stellte sich heraus, dass im Camp ausschliesslich deutsch gesprochen wurde. Praktisch, aber irgendwie auch schade, da wir schliesslich in Frankreich waren. Anschliessend wurden uns unser Zeltplatz gezeigt und wir erfuhren, dass wir schon am nächsten Tag unseren ersten Surfkurs haben werden. Somit stieg die Aufregung. Denn würde uns das Surfen nicht gefallen, würde es hart werden, sich jeden Tag während eineinhalb Stunden in die Wellen zu werfen. Die Sorgen verflogen schnell, als wir uns am nächsten Tag nach dem Aufwärmen und einer kurzen Einführung mit dem Brett unter dem Arm in die tossendne Wellen schmissen. Bereits nach den ersten Zügen zog uns das Surfen in seinen Bann und der Ehrgeiz packte uns, ein anerkennendes Shaka, bekannt als Hangloose, von unserem Surflehrer zu verdienen.


Oh Wunder, dieses Mal funktionierte es deutlich besser, als noch vor einem Monat. Vielleicht lag es auch einfach daran, dass die Wellen weniger hoch waren, wir stehen konnten und ausserdem nicht hinauspaddeln mussten. Dagegen gaben wir uns zu Beginn ganz gemütlich mit den Weisswasserwellen zufrieden. Am dritten Tag war der Wellengang nicht so stark und wir durften uns an kleinen Grünwasserwellen versuchen. Nun sollten wir die Welle surfen, bevor sie ganz gebrochen und zu Weisswasser wurde. Da die Wellen an diesem Tag eher klein waren, klappte dies gar nicht so schlecht und ungefähr zwei Mal, schaffte ich sie sogar länger als 3 Sekunden zu stehen. Überglücklich und stolz kehrten wir abends ins Camp zurück und verbrachten die restliche Zeit am Strand, mit Sonnenbaden. Das Abendessen liessen wir für einmal aus. Dafür gönnten wir uns an der Promenade eine Pizza und eine Flasche Wein, die wir anschliessend am Strand bei Sonnentuntergang vertilgten.



Wenn die Sonne untergeht, hinter dem Atlantik zu versinken scheint und die Umgebung rosa, orange, violett und rot färbt, verfliegen alle Sorgen. Im Wasser treiben noch vereinzelt Surfer, das beruhigende Tosen des Ozeans ist zu hören und der Himmel leuchtet, ein unbeschreibliches Ambiente.



Die folgenden Tage vergingen wie im Fluge. Unterdessen hatten wir weitere Schweizer und zwei Deutsche Mädels aus unserem Surfkurs kennengelernt. Die Zeit vergeht immer schneller, wenn es schön ist und schon war es Donnerstag und die letzte Surfstunde stand an. Ich war etwas traurig, dass das Surfen und unsere Ferien in Frankreich generell schon bald zu Ende sind. Zudem waren meine Arme erschöpft von den vergangenen Surfstunden und so schloss ich den Kurs nicht mit einem meiner besten Tage ab. Spass hat es aber trotzdem gemacht, und wie!



Danach nutzen wir unsere letzte Chance am Strand in die Sonne zu liegen und noch etwas Bräune abzubekommen, ehe wir nach Hause und in den Herbst zurückkehren mussten. Denn am kommenden Morgen war bereits Freitag, unser letzer Tag in Moliets et Maa. Passend zu unserer Stimmung, war das Wetter eher trübe und verhangen und am Samstag hatte es Regen gemeldet. So konnten wir leider nicht mehr die Gelegenheit nutzen, auf eigene Faust surfen zu gehen, da das Wetter zu schlecht und die Wellen zu hoch waren. Also machten setzten wir uns in ein Café und wollten uns danach einen gemütlichen Tag machen, um unsere Urlaub ausklingen zu lassen. Völlig unerwartet nahmen unsere Ferien dann plötzlich eine Wendung. Mittags war meine Freundin mit ihrem Freund zum Telefonieren verabredet. Nach einigen Minuten schluchzte sie laut auf und schaute mich mit tränenüberströmtem Gesicht an. Ihr Freund hatte gerade ihre Beziehung beendet, an unserem letzten Ferientag, in Frankreich und per Telefon, was für ein Arsch! Völlig baff starrte ich in meinen Kaffee und versuchte zu verarbeiten, was gerade geschehen war. Nachdem ich meine Freundin etwas getröstet hatte, beschlossen wir kurzerhand, dass unsere Ferien unmöglich so enden konnten. Daher sollte dieser Abend ein guter Abend werden und wir wollten feiern gehen. Zwei Roséflaschen später, hatten wir unser Tief vorübergehen überwunden und langsam kam wieder gute Stimmung auf. Danach machten wir uns auf den Weg zurück zum Camp, wo das Abendessen auf uns wartete. Zuvor kauften wir jedoch noch schnell zwei weitere Flaschen Wein auf Vorrat. Nach dem Essen gab es im Aufenthaltsbereich zum Abschuss noch Bowle für alle und eine Art Abschlussfeier.

Zu zweit setzen wir uns an einen Tisch und öffneten eine weitere Flasche Wein. Gute zehn Minuten später, wollte wir schon deprimiert ins Zelt zurückkehren, da anscheinend niemand Interesse an uns hatte. Genau in diesem Moment näherte sich ein Typ unserem Tisch und fragte:

„Na, wollt ihr mit uns eine Runde Mau-Mau spielen?“

Wir hatten sowieso nichts zu verlieren und so setzten wir uns zu ihm und seinen Freunden an den Tisch. Die Partie machte unglaublich Spass, unser Wein war danach getrunken und wir hatten neue Freunde gefunden.


Es war morgens, mit brummenden Schädel und immer noch angezogen wachte ich auf. Plötzlich fiel mir ein, das wir bereits um neun Uhr auschecken müssen.

„Fuck, wie viel Uhr ist es wohl?“, waren meine nächsten Gedanken.

Vor meinen Augen drehte sich alles, als ich mich kläglich versuchte aufzuraffen. Dann endlich fand ich meine Tasche, aber leider ohne Handy. Nochmals durchsuchte ich meine Tasche und danach mein Zeltabteil, doch noch immer war kein Handy in Sicht. Mit Müh und Not schaffte ich es dann aufzustehen und nach einem kurzen Abstecher in der Toilette, machte ich mich auf den Weg zu der Aufladestation im Camp, in der Hoffnung dort mein Handy zu finde. Optimistisch kam ich bei der Station an, um im nächsten Moment enttäuscht zu werden. Kein Handy weit und breit. Gestresst, ging ich zum Zelt zurück. Meine Freundin war inzwischen ebenfalls aufgestanden, doch auch sie wusste nicht, wo mein Handy war.


Augenblicklich blitzen vor meinem inneren Auge Erinnerungen von der vergangenen Nacht auf. Wir in einer Bar mit unseren neuen Freunden und Tequilla Shots, was nichts Gutes bedeuten konnte.

Ich wollte die Hoffnung bereits aufgeben, als ich plötzlich auf dem Campingstuhl neben unserem Zelt mein Handy liegen sah. Unglaublich, durchnässt vom Regen und voller Dreck funktionierte es dennoch einwandfrei und war sogar noch zu 92% aufgeladen. Später stellte sich heraus, dass es meine Zeltnachbarin neben dem Weg im Dreck gefunden hatte. Was für ein Glück!


Der restliche Tag verbrachten wir mit einem üblen Hangover in unserem Stammcafé. In der Zwischenzeit hatte es angefangen in Strömen zu regnen und die Temperaturen waren rapide gesunken. Mit einem warmen Kaffee wärmten wir uns auf und warteten auf unseren Bus. Ja, es hätte tatsächlich eine Verbindung vom Dorfzentrum bis zur Strandpromenade gegeben, wir hatten sie nur nicht gesehen.


Als wir endlich im Bus sassen, verabschiedeten wir uns mit rosa Wangen, roten Augen, geplatzten Träumen, einem gebrochenen Herzen und einem Herzen voller Wehmut von Moliets et Maa. Denn schon bald würden wir aus unseren Ferien und dem Sommer gerissen und zurück in die Realität geschmissen.


Mais c`était vraiment bien!

Besitos Soy



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