Lange Tage und noch längere Nächte
- Soy

- 24. Aug. 2020
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 1. Sept. 2020
Ein Sommer an der Costa Brava in Spanien in der Animation.
Mit einen Lachen im Gesicht aufstehen, gefolgt von einer morgendlichen Runde über den Campingplatz, direkt an den Strand. Eine kühle Erfrischung zum Wachwerden und um womöglich noch die Überreste der vergangenen Nacht abzuwaschen. Abgekühlt und aufgewärmt von der Sonne geht es an die Arbeit, womit viel Gelächter, dummen Witzen, Tanz- und Showeinlagen animiert wird.
In etwa so waren meine Vorstellungen vom Job als Animateur, als Animateurin auf einem Ferienresort, wo der Alltag vorwiegen von der Sonne, Strand, guter Laune und langen Nächten bestimmt wird.
Heute schreibe ich darüber, wie ein Tag als Animateurin während der Hochsaison tatsächlich aussah und welche Vorstellungen meiner Erfahrung nach wirklich der Realität entsprachen.
Zu aller erst, welche Wege führen mich dazu, in der Animation zu arbeiten?
Den Traum, als Animateurin einen Sommer lang die Gäste zu unterhalten und ein Lächeln auf deren Gesichter zu zaubern, hatte ich bereits als 12-jähriges Mädchen. Vor sieben Jahren im Sommer, machten meine Familie und ich in Sardinien Badeurlaub. Auf dem Camping hatte es nebst der Sonne, dem Meer und einem geilen Strand, ausserdem eine riesen Auswahl an Programmpunkten. Geleitet wurde das ganze von einem super coolen Animationsteam, die bei jedem Wetter gute Laune versprühten und uns Gäste mit stets einem freundlichen “Ciao” grüssten. Seitdem war ich von der Idee angetan, selbst einmal eine Saison lang Feriengäste beim Zumba, bei Beachpartys oder sonst auf dem Camping zu animieren und den Urlaub zu versüssen.

Animateurin in Aktion, Quelle: Camping les Sablons
Seither stand für mich fest, dass ich nach der Matura ein Zwischenjahr einlegen werde, um einige meiner Träume zu verwirklichen.
Im Sommer nach meinem Abschluss plante ich als erstes, mir meinen Wunsch als Animateurin zu erfüllen. Es stellte sich nur noch die Frage, wie finde ich einen Job und wo fange ich an zu suchen.
Wie der Zufall es so wollte, erfuhr meine Spanischlehrerin von meinen Plänen und erzählte mir von einem ehemaligen Schüler, der ebenfalls nach der Matur im Giverola Resort in Spanien als Animateur gearbeitet hatte. Er sei sehr zufrieden gewesen und habe sogar noch weitere Saisons dort verbracht. Als ich später durch die Homepage scrollte, war zufälligerweise gerade eine Stelle in der Animation ausgeschrieben. Daraufhin habe ich mich beworben und als ob es so kommen sollte, wurde ich angenommen.
So machte ich mich letzten Sommer gegen Ende Juli alleine auf den Weg an die Costa Brava in Spanien. Wo ich in der Nähe von Tossa de Mar drei Monate lang leben würde.

Auf dem Weg zwischen nach Tossa de Mar.
Mein erster Eintrag in meinem Reisetagebuch schien den Erwartungen ziemlich gerecht zu werden. Doch, das das Leben als Animateur auch noch eine andere, sehr viel strengere Seite hat, würde ich schon bald erfahren.
Fast 24 Stunden bin ich nun schon in Giverola und ich muss sagen, währenddessen ist schon viel gegangen! Vollkommen reibungslos verlief das Ganze jedoch nicht. Zuerst fand ich bei meiner Ankunft in Tossa de mar den Bus nicht, den ich erwischen sollte. Dabei bin ich davon ausgegangen, dass mich meine zukünftige Chefin wie angekündigt abholen wird. Dem war dann nicht so. Alles halb so wild, schlussendlich kam ich heil im Giverola Resort an. Es war ein regnerischer, verhangener Tag und ich musste eingepferchte von meinem Koffer und Taschen in der Lobby warten. Nicht gerade wie ich mir meine Ankunft im sonnigen Spanien ausgemalt hatte.
Als ich endlich empfangen und zu meinem Zimmer gebracht wurde, ging es Berg auf. In meinem Zimmer lernte ich auch gleich meine Mitbewohnerin kennen, mit der ich auf anhieb gut verstand. Ebenfalls aus der Schweiz, hat sie nach der bestandenen Matur beschlossen ein Zwischenjahr zu machen. Schon nach wenigen Worten waren wir auf einer Wellenlänge und das leicht “mulmige” Gefühl von zuvor war verflogen. Sie zeigte mir zudem den Resort und natürlich auch, wo wir uns in unserer Freizeit und Abends aufhalten können. So lernte ich am späteren Abend auf unserer Terrasse das restliche Personal kennen und oh Wunder, verschlug es uns plötzlich noch nach Tossa de Mar. Zuerst amüsierten wir uns in einer gemütlichen “Hipster-Bar”, um bald darauf einen kleinen Club nebenan unsicher zu machen. Wir tanzten durch die ganze Nacht, bis die Sonne wieder aufging. So ging es um 6 Uhr morgens vom Feiern direkt weiter zu einem versteckten Strand, um der Sonne zu zusehen, wie sie über dem Meer aufgeht und den Tag begrüsst.
Schon bald bekam ich jedoch auch die andere Seite des Alltags in der Animation zu spüren. Nebst taffen Arbeitszeiten, wenig Pausen und quengelnden Gästen, gab es auch reichlich Dramen unter den Angestellten. Wie so oft war der Ursprung auf Gerüchte zurückzuführen. Eine Arbeitskollegin brachte es auf den Punkt. In unserem Resort wusste man teilweise nicht, wem man nun vertrauen kann und wem besser nicht. Wie vielerorts hatten auch dort die Leute oftmals zwei verschiedene Gesichter. Mühsam, aber leider wahr! Zum Glück kam auf den Entschluss, dass ein solches Verhalten zwar enorm kindisch und nervenaufreibend ist, ich mir deswegen aber nicht die Zeit vermiesen lasse.

Giverola Resort, Quelle: hotelplan
Passend zum Thema kommt mir zum Schluss noch einen Satz von meiner Mama in den Sinn. Während unseren Telefonaten erzählte ich ihr natürlich was ich alles so erlebt habe und wie das Ganze ablief. Auch unsere nächtlichen Treffen auf der Terrasse, unsere Partys in Tossa de Mar und morgendliche Ausflüge an den Strand durften, nebst der Arbeit im Mini-Club, nicht vergessen gehen. Daraufhin fragte mich meine Mama:
“In diesem Fall ist es wohl wirklich ein bisschen wie im Film “Dirty Dancing”, ider nicht?”
Als ich mich an ihre Frage erinnerte, dachte ich nochmals darüber nach, welche Unterschiede ich nun rückblickend zwischen meinen Erwartungen und meinen Erlebnissen feststelle.
Klar, wie im Film dargestellt, war es nicht ganz. Vor allem was die wilden Tanzpartys und das Treffen auf die grosse Liebe betrifft. Die Arbeit ist jedoch in der Tat ziemlich hart, weswegen man aber unter der Woche oftmals gar keine Zeit und Kraft mehr findet, um abends noch auszugehen. Trotzdem hatte ich im grossen und Ganzen eine grossartige Zeit in Spanien. Waren wir dann einmal in einem Club hatte es ausserdem durchaus “Dirty Dancing” Qualitäten.

Dirty Dancing, Quelle: Hellomagazine
Auch hinsichtlich der Sommerromanze, hätte man einen Johnny gefunden, wenn man dies unbedingt gewollt hätte.
Nichts desto trotz lernte ich über mich hinauszuwachsen. Beispielsweise auf der Bühne spontan etwas zu performen und noch fast wichtiger, sich selbst dabei nicht all zu ernst zu nehmen, auch wenn Fehlen passieren!
Deswegen, und gerade wenn ich an unsere Abschlussfeier denke, bei der jeder und jede erneut erst im Morgengrauen wieder zu den Zimmern zurückkehrten, muss ich sagen, dass meine Zeit als Animateurin definitiv “Dirty Dancing” näher kam.
Auf jeden Fall habe ich es durchgezogen und meinen Traum als Animateurin verwirklicht. Das ist alles was zählt!
So hatte ich
“the time of my life”,
wenn nicht zum letzten Mal.
In diesem Sinne, auf viele weitere Abenteuer!
Besitos Soy










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