En route en France - part 1
- Soy

- 31. Aug. 2020
- 5 Min. Lesezeit
Liberté, Égalité, Franternité
Nach einem Wochenende in den Schweizer Bergen, ging die Reise für mich weiter. Mit dem Auto machten wir uns auf den Weg nach Frankreich, an Bordeaux vorbei, der Atlantikküste entlang weiter bis wir das Städtchen Hossegor erreichen hatten.
Den Fahrtwind in den Haaren und den Sonnenstrahlen im Gesicht warteten wir sehnsüchtig auf die salzige Brise des Atlantiks. Zuerst lag jedoch eine elf stündige Autofahrt vor uns. Respektive vor meiner Fahrerin, denn ich kann leider noch nicht Autofahren. Im Navigieren machte ich mich aber ganz gut und so erreichten wir nach ungefähr neun Stunden übermüdet, erschöpft und mit den Nerven am Ende Bordeaux. Keine Kleinstadt, wie wir schnell bemerkten. Stossender Verkehr, impulsive Franzosen hinter dem Steuer und grosse Kreuzungen hielten uns auf Trab, als wir in die Stadt hineinfuhren. Als wir endlich die richtige Ausfahrt erwischt hatten, ohne dass uns ein Franzose den Weg abschnitt, mussten wir uns einer weiteren Herausforderung stellen. In den vielen kleinen und verwinkelten Nebenstrassen Bordeauxs kann man sich nur schlecht orientieren. Erst recht nicht, wenn hinter dem eigenen Auto anderer Fahrzeuge stehen, mit unruhigen Fahrern, die gerne auch einmal auf die Hupe drücken. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten schafften wir es dann trotzdem noch zu unserem Hotel. Genug Aufregung für diesen Tag. Leider war dem aber nicht so. Mit blau-schwarzen Ringen unter den Augen und einem dampfenden Kopf, sollten wir nun noch auf französisch unser Hotelzimmer reservieren. Es fühlte sich an, als ob mein Gehirn zu einer einzigen, zähen Masse zusammengeschmolzen sei, sodass ich nicht mehr klar denken konnte. Glücklicherweise konnte die Rezeptionistin mein Gewirr aus französischen und englischen Wörtern entziffern und sich einen Reim daraus machen. So konnten wir endlich unser Zimmer beziehen und als erstes unter die kalte Dusche springen. Nachdem wir uns mit Hilfe des kalten Wassers herunterkühlen konnten, fiel das Denken auch gleich etwas leichter.

Bordeaux
Am nächsten Tag ging unsere Reise weiter. Das Ziel war Hossegor, ein überschaubarer Surfer Ort an der Küste des Atlantiks, ungefähr eineinhalb Stunden von Bordeaux entfernt.
Die Autofahrt überstanden wir problemlos, erst bei der Suche nach unserer Unterkunft hatten wir erneut unsere Probleme. Versteckt zwischen Campingplätzen und Ferienanlagen fanden wir nach einigen Fehlversuchen doch noch unser Surf Hostel. Kaum angekommen, beschlossen wir kurzerhand einen kleinen Ausflug in die nahegelegene Stadt Biarritz zu machen. Trotz der Müdigkeit kamen wir heil in Biarritz an und erwischten nach kurzem Abwarten sogar einen Parkplatz. So blieb uns noch genügend Zeit, um durch die Strassen von Biarritz zu flanieren und zum ersten Mal wehte uns die salzige Luft des Atlantiks entgegen. Wie es sich gehört, sassen wir abends auf der Strandpromenade „Moules et frites“, nicht ohne von einer hartnäckigen Möwe angegriffen zu werden. Trotz des Angriffs sind wir am Abend glücklich und zufrieden in Hossegor angekommen, schliesslich hatten wir endlich die salzige Luft des Ozeans gerochen.
Zur Erholung nach der langen Reise, gönnten wir uns eine Flasche Roséwein. Mit dem Wein im Gepäck, machten wir uns anschliessend im Dunkeln auf zum Hafen, in der Hoffnung andere junge Leute kennenzulernen und etwas zu erleben. Leider war die Ausgangsszene von Hossegor nicht überzeugend und wir waren gezwungen, unseren Rosé alleine zu trinken. Erlebt haben wir aber trotzdem etwas. Es fing damit an, dass wir den Korkenzieher im Hostel vergessen hatten. Den Roséwein einfach wegzuschütten kam für uns nicht in Frage, das wäre nun wirklich zu schade. Irgendwie schafften wir es dann mit Müh und Not trotzdem die Flasche zu öffnen, den Wein zu geniessen und wir hatten unseren Spass. Zwar haben wir keine neuen Leute kennengelernt, dennoch wurde viel gesungen, getanzt, geredet und gelacht. Ein gelungener Abend würde ich sagen. Tags darauf machten wir uns anschliessend schnellstmöglich auf den Weg zum Strand. Zuerst setzen wir uns jedoch im Zentrum in ein Café und starteten mit einem Café au lait und einem Crossaint in den Tag. Nach unserem französischen Frühstück gingen wir durch die Strassen von Hossegor, auf der Suche nach dem Strand. Nach einer Weile stellte sich heraus, dass der Strand leider doch nicht gleich um die Ecke des Dorfzentrums ist. Eine gute halbe Stunde später hatten wir es endlich geschafft. Wir hatten warmer Sand unter den Füssen, das Tosen der Wellen war zu hören, ein kühler Luft wehte und ein salziger Geschmack lag auf unserer Zunge. Gleich am Eingang des Strandes hatte es zudem eine Surfschule und wir konnten noch für denselben Tag einen Surfkurs buchen, perfekt. Das Warten verbrachten wir mit einem Spaziergang der Küste entlang bis nach Hossegor und einem kleinen Pick-Nick. Die übrige Zeit überbrückten wir in den Läden im Dorfzentrum, bevor wir uns bereits auf den Rückweg zur Surfschule machen mussten.
Stand von Hossegor
Dann war es so weit, der Surfkurs erwartete uns. Die Vorfreude stieg allmählich und mit ihr die Nervosität. Viel Zeit blieb zum Nachdenken hatten wir jedoch nicht. Schon wurde uns ein Neoprenanzug und ein Brett in die Handgedrückt. Danach folgte ein kurzes Aufwärmen und im Anschluss wurden die wichtigsten Infos und Tipps erklärt. Dann hiess es ab ins Wasser und losgepaddelt. Zu allererst mussten wir nämlich raus in den Atlantik paddeln und uns durch die brechenden Wellen kämpfen. Dies sieht oftmals so leicht aus, dabei ist es wahrlich ein Kampf hinauszupaddeln und nicht locker flockig. Anfänger lassen diesen Teil normalerweise aus und bleiben vorne an der Küste, in den Weisswasserwellen. Wir hatten jedoch höchstwahrscheinlich einen gemischten Kurs erwischt. Endlich draussen angekommen waren wir also wie erwartet erstmals erschöpft und die Arme brennten schon leicht. Nach einer kurzen Verschnaufpause rief uns der Surferlehrer jeden einzeln zu sich. Auf sein Zeichen musste erneut wie wild gepaddelt werden, um eifrig das Wasser wegzuschaufeln. Schliesslich hiess es „allez hop“ und man sollte sich versuchen hochzustemmen, um aufzustehen und mit der Welle mitzureiten. Leider klappte dies nicht so reibungslos. Kaum hatte ich mich auf dem Brett aufgerichtet, riss mich die Welle in der nächsten Sekunde auch schon wieder herunter, verschlang mich und zog mich mit sich runter. Nach einigen Versuchen realisierte unser Surflehrer wohl, dass die Wellen noch etwas zu gross für uns waren. Also schickte er uns näher zum Strand, zu den Weisswasserwellen. Im weissen Schaum der Wellen funktioniere es dann prima und wir konnten beide auf dem Brett stehen und mit der Welle reiten. Das Gefühl, wenn dich die Welle tatsächlich einmal mitnimmt und auf ihren weissen Schaumkronen trägt, ist unbeschreiblich, einfach klasse! Traurigerweise war dann die Lektion auch schon vorbei und wir mussten aus dem Wasser steigen und uns mühsam aus unserer Neoprenanzügen schälen. Mit roten, verquollen Augen, einem leichten Sonnenbrand im Gesicht und schlaffen Armen, jedoch überglücklich kehrten wir an diesem Abend ins Hostel zurück.

Happy Surfergirl
Der nächste Tag war auch schon unser letzter in Hossegor. Nachdem wir aufgestanden waren und unsere Sachen gepackt hatten, zog es uns auf direktem Weg an den Stand. Dort angekommen mieteten wir ein letztes Mal zwei Surfbretter und wollten es nochmals alleine ausprobieren, leider ohne grossen Erfolg. Anfangs schafften wir es vielleicht noch annäherungsweise aufzustehen, zumindest für ein paar Sekunden, bevor wir vom Brett gerissen wurden. Nach einer Stunde schmerzten unsere Arme und uns gingen allmählich die Kräfte aus. Zudem wurden die Wellen immer grösser und wir schafften es kaum noch uns hochzustemmen. Etwas enttäuscht, erschöpft von der Sonne und dem Kampf gegen die Wellen stiegen wir schliesslich aus dem Wasser. Bald darauf hatten wir beide trotzdem wieder ein zufriedenes Grinsen im Gesicht und der Ehrgeiz packte uns, ein Andermal zurückzukommen und es nochmals zu versuchen, immer und immer wieder.
Dann war es auch schon Zeit aufzubrechen, zusammenzupacken und uns auf den Heimweg zu begehen.

Au revoir France et à bientôt!
Eine lange und anstrengende Autofahrt erwartete uns. Nach sechs Stunden erreichten wir die Stadt Clerment Ferrand, eine Stunde von Lyon entfernt, wo wir in einem Hotel an der Autobahnausfahrt die Nacht verbrachten. Am nächsten Morgen standen wir früh auf und bereits um sieben Uhr in der Früh waren wir erneut auf den Strassen unterwegs. Die Rückfahrt verlief reibungslos und gegen Mittag sind wir letzten Endes glücklich, aber hundsmüde zu Hause eingetroffen.
Doch die Strapazen haben sich allemal gelohnt, auch wenn es nur für die zwei Tage Surfen war. Ich würde es jeder Zeit wieder machen, genau so und nicht anders!
C`était vraiment bien!
Besitos Soy






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