Wie wichtig es tatsächlich ist, wie ein Idiot zu tanzen.
- Soy

- 17. Aug. 2020
- 4 Min. Lesezeit
In beinahe jedem Freundeskreis gibt es der oder die eine, die richtig gut tanzen können und einfach wissen, wie sie sich und ihren Körper zu bewegen haben.Ob jemand ein gutes Körpergefühl hat oder nicht, sieht man meist von Weitem und der- oder diejenige ist leicht vom Rest zu unterschieden. Vom Rest, der sich auch mal entgegen dem Takt der Musik bewegt oder ausgelassen umherschaukelt und sich hin und wieder zum Idioten macht. Doch sind wir ehrlich, es macht doch viel mehr Spass mit seinen Freunden auf der Tanzfläche völlig ungeniert los zu tanzen, neue Moves auszuprobieren und dabei einander zu imitieren, als den ganzen Abend stier die einstudierten Tanzschritte zu wiederholen. So mache ich mich auch ganz gerne einmal zum Idioten mit meinen Freunden. Denn geteiltes Leid ist bekanntlich nur halbes Leid. Vor kurzem bin ich per Zufall auf einen interessanten Artikel gestoßen, der den Grund für die Faszination des Menschen hinsichtlich des Tanzens erläutert und begründet, wieso es wichtig ist, sich ab und an beim Tanzen zum Idioten zu machen.
Der Text war einleuchtend und dazu noch unterhaltsam und humorvoll geschrieben.
Hierzu meine Gedanken und Erfahrungen, inspiriert von dem Artikel „the importance of dancing like an idiot“ (die Wichtigkeit wie ein Idiot zu tanzen)
Der Ursprung des tanzenden Menschens liegt weit zurück. Bereits 5000 und 2000 v. Chr. haben wir Menschen das Tanzen für uns entdeckt, wie es auf alten, indischen Höhlenmalereien zu sehen ist. Auch die Ägypter praktizierten den Tanz und machten ihn zum Teil ihrer Rituale. Etwas ausgelassener und freier wurden die Tanzformen schliesslich 1600 v. Chr im antiken Griechenland. Zwar waren die alten Griechen durchaus für ihre Vernunft und Disziplin bekannt, welche Eigenschaften ihr wichtigster Gott Apollo verkörperte. Dass jedoch nur durch Balance und Ausgeglichenheit ein erfülltes Leben wirklich möglich ist, verstanden die alten Griechen nur all zu gut und wussten dies auch gut umzusetzen. Um die Ernsthaftigkeit des Apollos auszubalancieren, feierten sie einmal jährlich in Athen über mehrere Tage die Feste zu Ehren des Dionysos. Im Gegensatz zu Apollo stand der Gott Dionysos für Ausgelassenheit, der die Sorgen beiseite legte und gerne mal ein Glas Wein trank und passend zur Musik tanzte. Demnach nahmen sich die Griechen bei seinen Festen ein Beispiel an Dionysos und liessen alle Hemmungen fallen, um ganz vergnügt und frei zu tanzen. Solch ausgelassene Tänze wie damals in Athen wurden meist mit dem Adjektiv ekstatisch beschrieben. Abgeleitet von den lateinischen Begriffen ex (getrennt) und stasis (stehen) formte sich daraus das Wort ekstatisch. Ein Zustand, indem wir symbolisch getrennt, neben unser Selbst stehen.

Fest zu Ehren Dionysos, Quelle: myartprints
Schon seit Urzeiten versammeln sich ergo die Menschen in Gruppen, um sich anschließend zusammen im Rhythmus der Musik zu Bewegen. Angefangen mit den Hüften, gefolgt von den Beine und den Armen, bis schließlich der ganze Körper im Takt wippt, hüpft, kreist oder gar hopst.
Inzwischen sind nich nur die alten Griechen von der befreienden und gleich heilsamen Wirkung des Tanzens überzeugt. Heutzutage ist erwiesen , dass der Tanzsport zu einer, der wichtigsten und gesündesten Aktivitäten zählt .
Kein Wunder, stellte der berühmte deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche (1844-1900) fest,
dass er nur an einen Gott glauben würde, der tanzen kann.
Auch wenn sich das Tanzen schon lange in unserer Gesellschaft und Traditionen festgesetzt hat, fürchten sich trotzdem immer noch viele davor, sich auf die Tanzfläche zu wagen. An der Lust scheitert es hierbei oftmals nicht, eher an der Angst davor, sich zu blamieren und womöglich zum Affen zu machen.
Der Mut fehlt und es würde die Meisten zu viel Überwindung brauchen, sich zu den Tanzenden zu gesellen. Sich eine Ausrede zu überlegen, scheint häufig das kleinere Übel und dennoch sehnt sich doch jeder und jede danach, dass sich unsere Hüften mit dem Bass der Musik vereinen.
Dabei war im Ursprung die Intention des Tanzens nicht, wie ein Profi zu tanzen. Vielmehr sollten wir es als Gelegenheit sehen, den status quo und die damit verbundenen Erwartungen abzulegen. Das Leben sollte sich schliesslich nicht nur darum drehen, irgendwelchen Erwartungen gerecht zu werden. Wir Menschen sind keine Einzelgänger und benötigen von Zeit zu Zeit die Gesellschaft anderer, dies liegt in unserer Natur. Beim Tanzen bietet sich hierfür eine gute Möglichkeit zusammenzukommen, gemeinsam für eine Nacht alle Sorgen liegen zu lassen und hemmungslos zu tanzen.

Menschen beim Tanzen, Quelle: canstockphoto
Klar macht man sich dabei vielleicht zum Idioten, aber auch das ist okey.
Wie es im Text so schön geschrieben steht:
“Wir sind jetzt Idioten, wir waren damals Idioten, und wir werden in Zukunft wieder Idioten sein.”
Oftmals haben wir Menschen das Gefühl, es gibt nur die eine Art etwas zu tun. Zwar nur auf die eine perfekte und richtige Art und Weise. Dasselbe beim Tanzen. In unseren Köpfen klammern wir uns an der Vorstellung fest, dass es nur eine korrekte Art zu tanzen gibt. Ansonsten sollte man es lieber dabei lassen, bevor gar “falsch” getanzt wird. Das einzige was wirklich falsch ist, ist diese Aussage, dieser Gedanke, den wir verinnerlichten. Weg damit! Es kann nicht nur auf die eine Art und Weise “richtig” getanzt werden, sondern auf ganz viele verschiedene. Wir Menschen sind schliesslich glücklicherweise auch nicht alle gleich, dafür ganz individuell und so schön divers. So wie wir uns unterscheiden, ist dies auch in anderen Bereichen der Fall, auf die unser Verhalten abfärbt.
Also liebe Freunde, Hand aufs Herz und wagt euch, tanzt! Selbst wenn es idiotisch aussieht. Das ist genau der Punkt, die Kontrolle abzugeben und sich in die Wogen des Unbekannten zu begeben. Getraut euch und ihr werdet merken, wie gut es tut ausnahmsweise mal loszulassen!
Denn was war und noch sein wird geht dabei völlig vergessen.
Das einzige, was auf der Tanzfläche noch zählen sollte, ist die Musik, die Körper, die sich im Takt wiegen, sich aneinander schmiegen und die Schweisstropfen, die mit dem Bass auf und ab tanzen.
So wie du es hoffentlich tust, wenn du das nächste Mal die Gelegenheit hast!
Besitos Soy




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