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Gestern habe ich geweint.

  • Autorenbild: Soy
    Soy
  • 19. Okt. 2020
  • 3 Min. Lesezeit

Gestern habe ich geweint. Geweint, als ich mitten in der Nacht aus Langeweile heraus und Schlaflosigkeit die Komödie Klassentreffen 1.0 schaute. Ja genau, ich, die praktisch nie weinen muss. Schon gar nicht bei Filmen, hat gestern Nacht wegen einer f*** Komödie geflennt. Doch so war es. Denn obschon es eine absurde, und teilweise zum Brüllen komische Geschichte war, hatte sie eine wundervolle Moral oder Art Fazit. Ein kurzer Abriss, Klassentreffen 1.0 handelt vom Älterwerden, der oftmals damit verbundenen Midlifecrisis und schliesslich der Akzeptanz, als einzige Lösung zum glücklich werden. Als die drei besten Freunde endlich am Klassentreffen angekommen sind, nach einem turbulenten Wochenende, folgte der „grosse Moment“. Einer der drei sollte eine Rede vor seinen ehemaligen Klassenkameraden halten. Tatsächlich trat er auf die Bühne, unter Drogen und dementsprechend war er etwas wirr, aufgewühlt, fröhlich, gefolgt von einem Tief. Obschon der Anfang etwas holprig und nicht alles Sinn ergab, traf er genau ins Schwarze, so wies seine ursprünglich einstudierte Rede nie gekonnt hätte.


„Ihr seid mir furzegal. Und ich euch auch. Weil eigentlich nur wichtig ist, was die Menschen von mir halten, die jeden Tag in meinem Leben sind [...]“

Klingt einfach. Doch, wenn jede und jeder von euch da draussen ganz ehrlich ist. Wir wenden Tag für Tag so viel Zeit auf, um anderen zu gefallen. Der Schein soll bewahrt und nicht getrübt werden und Objektivität wird schliesslich zur Subjektivität. Sodass der Spiess gedreht ist und bis du selbst nicht mehr unterscheiden kannst, was du nun willst oder dir gesagt wird, dass du wollen musst. Das perfekte Aussehen, der perfekte Körper, immer im Licht glänzen und nur nicht im Schatten stehen bleiben. Dabei, wenn man wieder etwas Abstand nimmt, Perspektive wechselt stellt man fest, dass es viel Wichtigeres gibt. Aufs Grosse Ganze gesehen, wird jung und schön aussehen so relativ, bis es beinahe absurd wirkt, dass dies einmal das eigene „Ziel“ gewesen war.


„Wenn ich mal richtig alt bin, dann will ich nicht jung aussehen. Ich will glücklich aussehen.[...] Ich habe verdammt viel Glück gehabt bis jetzt, weil es eigentlich nichts gibt in diesem Leben was ich alleine durchstehen muss.“

Was ich zuvor in meinem eigenen Wort kurz zusammenfassen wollte, bringt der Schluss der Rede ziemlich gut auf den Punkt. Oftmals sind wir so mit uns selbst und unseren Problemen beschäftigt, dass wir ganz vergessen, was um uns herum geschieht. Was mit unserem Umfeld los ist, wer dich umgibt, sich um dich kümmert, nach dir sieht. Beinahe das Schlimmste von allem ist, dass wir oftmals in unserem See aus Selbstmitleid nicht bemerken, dass wir trotzt allem nie alleine sind und immer jemand an unsere Seite ist und im Zweifelsfall zu uns in den See springt.

So kam es, dass ich gestern seit langem wieder einmal geweint habe. Erst das zweite Mal wegen einem Film und dies noch während einer Komödie. Doch die Essenz hat mich gepackt und hart getroffen. Bei der kleinsten Unsicherheit oder Spur von Angst, nicht zu genügen, gleich die Flucht zu ergreifen, wegzurennen, bringt nichts. So komme ich nicht weiter und renne lediglich im Kreis. Stattdessen muss ich lernen auch einmal anzuhalten, zu überlegen welchen Weg ich einschlage und auch ab und an etwas wagen das Risiko einzugehen, wenn es mich anzieht. Zum Rennen ist immer noch Zeit, sollte der Versuch doch noch in die Hosen gehen. Aber ein Versuch ist es wert. Ansonsten werden mich im Alter nicht die Falten, die schlaffe Haut oder Rückenschmerzen plagen, sondern kontrafaktische Gedanken wie: „Was wäre, wenn ich es damals doch gewagt hätte.“

Gehe mutig und glücklich durch dein Leben.

Soy




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