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Bitter-süsse Heidelbeeren

  • Autorenbild: Soy
    Soy
  • 7. Okt. 2020
  • 1 Min. Lesezeit

Bitter-süsse Heidelbeeren


Gestern gab es Heidelbeeren.

Bitter, süss und noch nicht ganz reif,

so wie ich sie mag.

Ein leises Poppen,

wenn meine Zähne die Beere zerquetschen

und auf meiner Zunge prickelt`s.

und mein Gesicht verzieht sich,

ganz leicht

und nur ein kleines Bisschen.

Es war Frühling,

wir waren im Garten

und pflückten Heidelbeeren.

Meistens wurden so viele abgelesen,

dass es für das kommende

halbe Jahr

ausreichte.

In seinem letzten Jahr sass er daneben

auf seiner Bank

und sah zu.

Oft haben wir das nicht gemacht,

leider.

Meine Grosseltern dagegen

Waren Meister

Im Pflücken

und er sass da

auf seiner Bank

und schaute zu.

Ein halbes Jahr später

War er im Altersheim

und in unserem Gefrierfach

stapelten sich immer noch

Heidelbeeren

Aus seinem Garten.

Es war das letzte Mal,

dass ich Heidelbeeren pflückte.

Das nächste Mal besuchten wir ihn

im Altersheim.

Es war Dezember

Und wir besuchten gemeinsam

Wie jedes Jahr

Den Weihnachtsmarkt.

Inzwischen waren alle Heidelbeeren

Aufgegessen.

Das war das letzte Mal,

dass ich ihn sah,

meinen Urgrossvater.

Mit hundertein Jahren verstarb er,

friedlich und ohne Leiden.

Gestern gab es Heidelbeeren.

Bitter, süss und noch nicht ganz reif,

so wie ich sie mag.

Ein leises Poppen,

wenn meine Zähne die Beeren zerquetschen

und auf meiner Zunge prickelt`s.

und mein Gesicht verzieht sich

ganz leicht und nur ein kleines bisschen.

Denn es war Frühling,

wir pflückten Heidelbeeren,

er sass daneben

auf seiner Bank

und schaute glücklich dabei zu.


Soy


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